Auf der Suche nach etwas Echtem - Agia Kiriaki, Segeln in Griechenland…

Auf der Suche nach etwas Echtem - Agia Kiriaki, Segeln in Griechenland…
25.02.2016

An der Ostküste Zentralgriechenlands ragt die Halbinsel Pelion gleich einem riesigen Angelhaken ins Ägäische Meer hinein. An der Spitze dieses Hakens glänzt das Fischerdorf Agia Kiriaki in der Sonne wie ein Köder, der nur darauf wartet, dass ihm ein Passant an die Angel geht. Die meisten Boote haben es so eilig, zu den Sporaden zu kommen, dass sie einfach an diesem verlockenden Zwischenstopp vorbeisegeln, aber wir haben uns vom Hafen von Volos extra dorthin auf den Weg gemacht.

Unsere Crew ist eine gemischte Truppe, die sich über gemeinsame Freunde zusammengefunden hat. Kapitän Kostas, ein richtiger Seebär, und zwei andere erfahrene Segler aus der Gegend, die eine Charter-Yacht von Volos organisiert haben. Der Rest von uns halbwegs kompetenten Crew-Mitgliedern genießt auch gerne einfach nur den Segeltörn.

Als wir aus dem Yachthafen von Volos herausfahren, erhebt sich hinter uns das sagenumwobene Land der Zentauren. Man kann nicht von Volos lossegeln ohne an den antiken Seefahrer Jason zu denken, der von Iolkos zu seiner Jagd nach dem Goldenen Vlies aufgebrochen ist. Unsere Suche ist eine andere: Wir suchen nach goldenen Ufern und Authentizität – beides hoffen wir auf unserem Trip nach Agia Kiriaki zu finden.

Geruhsames Segeln entlang der Halbinsel Pelion

Der seenartige Golf von Pagasitikos an der Innenseite des Hakens liegt geschützt vor dem „Meltemi“, dem starken griechischen Sommerwind, und bietet herrliche kleine Buchten und Ankerplätze für ein kurzes Bad oder eine Übernachtung. An dieser weniger bekannten Stelle Griechenlands gibt es selbst im Juli und August kaum Bootsverkehr, wenn die bekannten Inseln brechend voll sind mit Urlaubern. Im Golf von Pagasitikos, der 13 Seemeilen breit und 15 Seemeilen lang ist, könnte man gut und gerne eine Woche oder länger herumsegeln.

Eine Option ist es, quer durch die Bucht zu segeln. Wenn die Zeit knapp ist, ist das mit Motorantrieb in drei Stunden zu schaffen. Wir haben hingegen die Zeit und die Lust, die Segel zu setzen und die Bucht in Ruhe zu erkunden. Also folgen wir der Küstenlinie, die dicht bewaldeten Berge von Pelion stets am Horizont, und bewundern das einzigartige Zusammenspiel von Küsten- und Meereslandschaft. Wir kommen vorbei an Kala Nera, Afissos, Lefkokastros, Chorto, dem touristischen Melina und der Insel Glaronisi, die wie eine Möwe geformt ist. Wir machen halt, wo immer wir Lust haben, und ankern allein in stillen Buchten. So mäandern wir in ein paar Tagen faul den Weg an der Halbinsel entlang.

Historische Orte

Schließlich erreichen wir die Insel Trikeri (oder wie die Einwohner sie nennen: Alt-Trikeri), unseren letzten Stopp vor Agia Kiriaki. Weit ab von den üblichen Routen liegt diese Insel noch genau so, wie sie vor 100 Jahren war – sogar ohne Straßen. Es gibt zahlreiche verlassene Buchten und im “Hafen” eine Taverne und einen kleinen Supermarkt. Das Kloster der Jungfrau Maria, das in kurzer Laufdistanz vom Kai liegt, beherrscht die Insellandschaft. Dort gibt es eine kleine Kirche mit Kreuzgang aus dem 18. Jahrhundert und einen üppigen Garten mit Orangenbäumen und Blumen.

Nachdem wir uns den Tag auf der Insel angenehm vertrieben und uns die Beine vertreten haben, machen wir uns auf den Weg zu unserem eigentlichen Ziel. Wir umrunden das Ende des Hakens, verlassen die sichere Bucht, passieren den Leuchtturm und richten die Segel in den Wind. Unser Ziel ist nun in Sicht, es funkelt in der Sonne. Wir kommen zur Schiffswerft, dem letzten traditionellen Trockendock in Griechenland. Dort liegen die traditionellen hölzernen Kaiks mit dem Rumpf nach oben und warten auf die jährliche Instandhaltung. Das Trockendock gehört einer Familie, die sich auf die Instandhaltung und Reparatur von Holzbooten spezialisiert hat. Wir hören, wie sie einander zurufen, während sie ein großes Fischerboot aus dem Meer ziehen. Zwischen den Fischerbooten erinnern nur ein paar einzelne, in den Himmel ragende Segelboote daran, dass dies doch keine Szenerie aus einer längst vergangenen Zeit ist.

Agia Kiriaki-Griechenland, Trocknen Tintenfische auf der Sonne

Die lokale Szene und Küche

Unsere Suche nach Authentizität zeigt sich endgültig erfolgreich, als wir direkt vor einem großen Fischlokal anlegen. Wir werfen dem Eigentümer Manoli, der gekommen ist, um uns zu begrüßen, unser Tau zu. Hinter ihm hängen Tintenfische zum Trocknen in der Sonne, der erste Schritt auf ihrem Weg auf den Essteller. Dieses kleine Dorf mit nur 20 ständigen Einwohner ist ein echtes Fischerdorf. Ungefähr 15 professionelle Fischerboote gehen in den umliegenden Gewässern ihrer Arbeit nach und viele kleinere Hobby-Fischerboote bewegen sich bei Einbruch der Dämmerung auf der Suche nach Calamari durch die Wellen. Viele der männlichen Dorfbewohner waren bei der Handelsmarine. Sie sind weit gereist und unterhalten einen nur allzu gerne mit Geschichten von ihren Abenteuern. Andere waren Schwammtaucher, sie haben auf den großen Schwammschiffen gearbeitet und ihr Leben riskiert, während sie nach den wertvollen Schwämmen getaucht haben. Die älteren Frauen haben ihre ganz eigenen Geschichten zu erzählen, Geschichten von der Gefangenschaft auf der Insel Trikeri während des griechischen Bürgerkriegs. Einen Eindruck von diesem Kapitel der hiesigen Geschichte kann man auch in dem kleinen Museum gewinnen.

Wir betrachten diesen bezaubernden Ort ganz in Ruhe vom Meeresufer aus, während wir im Schatten der Bäume bei Kaffee und Käsekuchen entspannen und noch immer das Schwanken unseres Bootes unter den Füßen spüren. Die wettergegerbten Gesichter der Fischer beobachten uns Neuankömmlinge ruhig unter ihren schwarzen Hüten hervor, sie wirken wie Figuren aus einem Buch. Die meisten Menschen hier haben mit Tourismus nichts am Hut und gehen ihrem täglichen Leben nach ohne sich von einem einzelnen Boot oder der zweimal im Monat erscheinenden Flottille beeindrucken zu lassen. Später ziehen wir weiter in die Taverne Mouragio und genießen den griechischen „Tsipouro“ mit reichlich Eis und Meeresfrüchte-Mezze. Eine Gruppe Radfahrer kommt vorbei, sie sind die gewundene Straße der Halbinsel entlanggefahren, um die spektakulären Ausblicke auf die Pagasitikos-Bucht zu genießen. Später sehen wir Sporttaucher in voller Montur über den Strand laufen, um am „Kali Tichi“ zu tauchen, einem Schiffswrack, das direkt im Hafen liegt.

Agia Kiriaki, Griechenland - lokale Fischer

Ein liebevoller Abschied

Agia Kiriaki ist das Tor zu den Sporaden-Inseln. Von hier aus kann man den Kanal überqueren rüber nach Skiathos und weiter nach Skopelos, Alonissos und zu den äußeren Sporaden. Für uns heißt es hier aber erstmal „Auf Wiedersehen“. Wir verabschieden uns von unseren neuen Freunden und segeln an einem Tag zurück nach Volos. Als wir den Angelhaken umrunden, sehen wir uns noch einmal um und wissen, dass wir eines Tages wiederkommen werden…

Lighthouse - Agia Kiriaki, Griechenland, Segeln
 


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